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Wie Blockchain und Corona zusammenhängen

Jeder spricht darüber und doch wissen die wenigsten, wie sie eigentlich funktioniert. Die Rede ist von der Blockchain. Jener Datenbank, die Informationen so speichert, dass sie unlöschbar und nicht fälschbar sind. “Man muss sich die Blockchain wie ein digitales Notizbuch vorstellen”, sagt Professor Bela Gipp, der an der Universität Wuppertal den Lehrstuhl für Data & Knowledge Engineering innehat und in puncto Fälschungssicherheit als einer der zehn führenden Köpfe weltweit gilt.

“Um das System hinter der Blockchain zu verstehen, gibt eine schöne Analogie”, so Gipp. “Das sind der Bleistift und der Kugelschreiber. Wenn man etwas mit einem Bleistift ir­gendwo reinschreibt, kann man das mit dem Radiergummi wieder ändern. Wenn man etwas mit dem Kugelschrei­ber reinschreibt, kann man das nicht ganz so einfach verändern. Die Block­chain ist ein digitales Notizbuch, in wel­chem die Informationen nie wieder nachträglich verändert werden können.”

Und genau das ist auch der Unterschied zu einer normalen Datenbank: Bei einer Blockchain kann man im Gegensatz zu einer Datenbank Informationen nur hinzufü­gen, aber nicht mehr ändern oder entfernen. Jeder Eintrag bleibt für immer vorhanden.  Das liegt an einem komplexen System aus Algorithmen, in dem jeweils ein Informationsblock mit dem nächsten Block verkettet wird und vom Netzwerk bestätigt werden muss.

Fälschungssicherheit

Diese Eigenschaft der Fälschungssicherheit der Blockchain nutzt seit kurzem auch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie hat sich Ende März mit IT-Konzernen zusammengeschlossen, die die Technik bereits nutzen, darunter IBM, Oracle und Microsoft. Auf der neuen IBM Blockchain Plattform “MiPasa” werden regionale Daten über den Coronavirus manipulationssicher und dezentral gespeichert, so dass Regierungen, Forscher und Mediziner die Daten weltweit stets aktuell und nachprüfbar auswerten und untereinander austauschen können.  Ende April hat IBM eine weitere Blockchain-Lösung im Kampf gegen Corona vorgestellt. So entwickelt der Konzern eine Anwendung, mit deren Hilfe Gesundheitsorganisationen und Behörden in den USA und Kanada einen besseren Überblick über die Versorgungslage im Bereich medizinischer Geräte erhalten. Der Informationsfluss im medizinischen Bereich rund um Corona soll dadurch transparenter werden.

Lieferprozesse

Mithilfe der Blockchain-Technologie haben auch die großen Supermarktketten und Verwaltungen den kompletten Lieferprozess jederzeit im Blick und reagieren, wenn sich ein Lieferengpass andeutet – gerade in Zeiten des Coronavirus wichtig. 

So können auf der Plattform IBM Food Trust Erzeuger, Spediteure, Einzelhändler und Verbraucher die Herkunft und den jeweiligen Standort frischer Ware quasi in Echtzeit mittels eines QR-Codes verfolgen.  Auch zusätzliche Informationen wie Zertifizierungen, Prüf- und Temperaturdaten sind nach dem Hochladen in die Blockchain innerhalb weniger Sekunden verfügbar.

Zu den Kunden von IBM Food Trust zählen beispielsweise Nestlé, Walmart und der französische Supermarkt Carrefour.  Das erste auf der Blockchain gespeicherte Produkt im Carrefour war im Jahr 2018 das Bio-Hühnchen. Auf dessen Verpackung befindet sich ein QR-Code, den der Käufer mit einem Smartphone ablesen kann und so die komplette Information zum Produkt erhält: Geburtsdatum und Herkunftsort des Hühnchens, Ernährung und Transportweg. So profitieren nicht nur Erzeuger und Spediteure, sondern auch die Endkunden von der fälschungssicheren Datenspeicherung auf der Blockchain.

Auch kleinere Unternehmen wie die Ölmühle Antonio Cano im andalusischen Luque nutzen die neue Technologie schon.  Über das Projekt Olive Trace kann der Verbraucher die exakte Herkunft des Olivenöls verfolgen. Ein Code auf der Flasche liefert die Informationen, die in der Blockchain gespeichert sind. Die Herkunft des Olivenöls aus Luque ist also immer nachweisbar, auch wenn es anderorts als “echt italienisch” verkauft wird.

Aber nicht nur im Lebensmittelbereich kommt die Blockchain zur Anwendung. Beliebt ist beispielsweise auch die Speicherung von Diamanten oder Kleidern und Taschen aus dem Luxussektor. Die Blockchain macht es dem Fälscher schwerer, da der Käufer nun innerhalb von Sekunden nachschauen kann, wo und mit welchem Material die Tasche fabriziert wurde. Dementsprechend haben die Luxusmarken selbst großes Interesse daran, dass sich ihre Produkte auf der Blockchain verifizieren lassen, um dem Handel mit Kopien entgegenzuwirken.

Bitcoin und Co.

Bekannt geworden ist die Blockchain insbesondere als die Technik hinter dem Bitcoin, dem digitalen Geld. Das Bitcoin-Zahlungssystem funktio­niert komplett ohne Banken. Man braucht für Geldtransfers keine sogenannten Mittelsmänner, sondern macht Überweisungen von Person zu Person, das heißt von Computer zu Computer. Die Bitcoin-Adresse besteht aus einer langen Reihe aus Ziffern und Buchstaben, die der Computer erstellt und die als eine Art Konto-Nummer fungiert.

Ein Beispiel: Wenn man heute im Internet eine Bahnkarte kauft, ist meistens ein Kreditkartenunternehmen zwischengeschaltet – mit den entsprechenden Kosten. Ein Blockchain-basiertes System könnte den Kaufprozess sicher und direkt zwischen Bahngesellschaft und Kunde abwickeln und die zwischengeschaltete Institution wird überflüssig.  „Die Banken mögen das System der Blockchain eigentlich nicht, weil damit ihre Daseinsberechtigung entzogen wird“, sagt Bela Gipp. Inzwischen versuchen sie aber, sich anzupassen und die Technologie selbst anzuwenden, darunter beispielsweise die Deutsche Bank oder die spanischen Banken Santander und BBVA.

Die Blockchain wird auch in vielen Bereichen Einzug halten, in denen es um Verträge geht, beispielsweise bei Versicherungen oder dem Grundbucheintrag beim Hauskauf. “Wenn man auf der Blockchain Verträge jeglicher Art manipulationssi­cher speichern kann, braucht man kei­ne Versicherungsvertreter oder Immobilienmakler mehr, sondern kann den Kontakt direkt zwischen Käufer und Verkäufer machen und die Daten nachprüfbar und fälschungssicher in der Blockchain speichern”, sagt Bela Gipp. Oder noch weitergedacht: “Mit der Block­chain kann man auch Wahlmanipulati­on verhindern. Da kann jeder bequem von zu Hause wählen und die Daten können nicht geändert werden. Das kann auf Demokratien entscheidenden Einfluss haben.”

Und gibt es auch Gefahren bei der Blockchain? Ja, sagt Professor Gibb. Der Vorteil ist gleichzeitig auch der Nachteil. Was einmal gespeichert ist, ist gespeichert. Das gilt für Frischezertifikate von Lebensmitteln oder Überweisungen von digitalem Geld, aber auch für Anleitungen beispielsweise für den Bombenbau. Heutzutage kann die Polizei das im Internet löschen lassen oder vom Server nehmen. Mit der Blockchain sind die Informationen, die einmal gespeichert sind, nicht mehr zu entfernen.

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